Was ÖKO-TEST gefunden hat
ÖKO-TEST hat 21 gefriergetrocknete Erdbeerprodukte untersucht, darunter 14 Bio-Produkte. Keines erhielt ein „Sehr gut“. Kritisiert wurden vor allem Pestizidrückstände, Schwermetalle, Zucker und die Herkunft der Früchte.
Mehr als die Hälfte der Produkte enthielt Rückstände mehrerer Pestizide. Auch Bio-Produkte waren betroffen. In einem Produkt fand das Labor laut ÖKO-TEST Spuren von 34 verschiedenen Pestiziden. Bei allen 21 Produkten wurden zudem Schwermetalle nachgewiesen.
Auf den ersten Blick klingt das eindeutig. Doch ein Nachweis allein sagt noch nicht, wie ein Befund gesundheitlich einzuordnen ist.
Auch unsere eigenen Erdbeeren haben wir unabhängig untersuchen lassen. Die Laborergebnisse und den vollständigen Prüfbericht zeigen wir weiter unten im Artikel.
Was sagen die Ergebnisse wirklich aus?
Die Laborergebnisse zeigen zunächst, was gefunden wurde. Für die Einordnung braucht es aber noch einen zweiten Schritt: Was bedeuten diese Werte gesundheitlich, und was lässt sich daraus tatsächlich ableiten?
Die von ÖKO-TEST gefundenen Pestizidmengen bedeuteten laut Test keine akute Gesundheitsgefahr. Nach der vorgenommenen Rückrechnung auf frische Erdbeeren hielten die Produkte zudem die gesetzlichen Pestizidgrenzwerte ein.
„Keine akute Gesundheitsgefahr.“
Die Frage, ob eine Menge kurzfristig eine Gesundheitsgefahr darstellt, ist nicht dieselbe wie die Frage nach einer regelmäßigen Aufnahme über viele Jahre.
Hier wird die Einordnung schwieriger: Grenz- und Referenzwerte werden zunächst für einzelne Wirkstoffe abgeleitet. Im selben Produkt können aber mehrere Rückstände gleichzeitig vorkommen.
verschiedene Pestizidspuren wurden laut ÖKO-TEST in einem einzelnen Produkt gefunden.
Jeder einzelne Rückstand kann für sich unter seinem zulässigen Grenzwert liegen. Menschen können diese Stoffe jedoch gleichzeitig aufnehmen. Wie verschiedene Pestizide in Kombination wirken und was eine regelmäßige Aufnahme solcher Mischungen über viele Jahre bedeutet, lässt sich nicht für jede denkbare Kombination sicher vorhersagen.
Das bedeutet nicht, dass ein Produkt mit mehreren Rückständen automatisch gesundheitsschädlich ist. Aber es zeigt die Grenze der Aussage: „Alle einzelnen Grenzwerte eingehalten“ beantwortet die Frage nach einer Mischung vieler verschiedener Rückstände nicht vollständig.
Und was ist mit dem Zucker?
ÖKO-TEST kritisierte auch den hohen Zuckergehalt gefriergetrockneter Erdbeeren. Die Werte pro 100 Gramm sind tatsächlich hoch. Die Produkte im Test enthielten laut ÖKO-TEST meist rund 50 Prozent Zucker.
Das hat einen einfachen Grund: Bei der Gefriertrocknung wird ein Großteil des Wassers entfernt. Die Bestandteile der Frucht, darunter ihr natürlicherweise enthaltener Zucker, liegen anschließend entsprechend konzentrierter vor.
Für die Einordnung im Alltag braucht es neben dem 100-Gramm-Wert allerdings noch eine zweite Größe: die tatsächlich verzehrte Menge. 100 Gramm gefriergetrocknete Erdbeeren sind als Snack eine sehr große Menge. Im Müsli reichen oft schon wenige Gramm; wer die Früchte pur snackt, isst eher eine deutlich kleinere Menge als 100 Gramm.
15 g gefriergetrocknete Erdbeeren enthalten bei rund 50 % Zucker etwa 7,5 g Zucker.
Zum Einordnen dieser Größenordnung hilft ein Blick auf andere alltägliche Lebensmittel:
Dieser Vergleich macht die Lebensmittel nicht ernährungsphysiologisch gleichwertig. Er zeigt lediglich, wie sich die abstrakte Zuckerangabe pro 100 Gramm in einer realistischen Verzehrmenge einordnen lässt. Bei ungesüßten gefriergetrockneten Erdbeeren stammt der Zucker natürlicherweise aus der Frucht; ein SNICKERS oder eine klassische Konfitüre sind anders zusammengesetzt.
Die Kritik am hohen Zuckerwert pro 100 Gramm ist damit nicht falsch. Für die Frage, wie viel Zucker tatsächlich aufgenommen wird, ist aber zusätzlich entscheidend, wie viel gefriergetrocknete Frucht gegessen wird. Beides gehört zu einer vollständigen Einordnung.
Und was ist mit Cadmium und Blei?
Was bedeutet Cadmium in gefriergetrockneten Erdbeeren?
Cadmium ist kein Pflanzenschutzmittel. Es kommt natürlicherweise in Böden vor und kann von Pflanzen aufgenommen werden. Deshalb kann Cadmium auch in Bio-Lebensmitteln vorkommen.
Entscheidend ist nicht nur eine einzelne Portion, sondern die langfristige Gesamtaufnahme über die Ernährung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat dafür eine tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge von 2,5 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt.
Im ÖKO-TEST überschritt keines der untersuchten Produkte den gesetzlichen Höchstgehalt. ÖKO-TEST bewertete jedoch fünf Produkte wegen erhöhter Cadmiumwerte strenger. Alle fünf waren Bio-Produkte.
Wie relevant das Cadmium aus Erdbeeren ist, hängt deshalb auch von der individuellen Ernährung ab.
Gerade bei Kindern ist die Gesamtaufnahme besonders wichtig, weil die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge vom Körpergewicht abhängt.
Gerade bei Blei fällt uns Sachlichkeit schwer.
Kinder nehmen aufgrund ihres geringeren Körpergewichts bei derselben aufgenommenen Menge mehr Blei pro Kilogramm Körpergewicht auf. Gleichzeitig ist ihr sich entwickelndes Nervensystem besonders empfindlich.
Ein Nachweis bedeutet auch hier nicht automatisch, dass von einem Produkt eine konkrete Gesundheitsgefahr ausgeht. Da sich für Blei nach heutigem Kenntnisstand keine unbedenkliche Aufnahmemenge ableiten lässt, schauen wir hier besonders genau hin.
Gerade bei Produkten, die Eltern ihren Kindern ganz selbstverständlich in die Brotdose legen, finden wir deshalb die Frage wichtig: Ist ein Wert lediglich rechtlich zulässig, oder war bei der untersuchten Ware gar nichts nachweisbar?
Der Nachweis von Blei ist für uns deshalb einer der schwerwiegendsten Punkte des gesamten Tests. Und genau dafür sind wir ÖKO-TEST dankbar: dass sie hingeschaut, untersucht und diesen Befund sichtbar gemacht haben.
Damit haben wir die größten Kritikpunkte des Tests beleuchtet. Betrachtet man die Ergebnisse noch einmal als Ganzes, fällt zusätzlich etwas auf: 14 der 21 getesteten Produkte waren Bio.
Macht Bio dann überhaupt einen Unterschied?
Keines der Bio-Produkte erreichte ein „Sehr gut“.
Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir daher zuerst anschauen, wofür ein Bio-Siegel eigentlich steht, und wofür nicht.
Im ökologischen Anbau gelten insbesondere beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln strengere Regeln als im konventionellen Anbau. Ein Bio-Siegel beschreibt damit zunächst, nach welchen Regeln eine Frucht angebaut werden muss.
Der Test zeigt aber auch die Grenze dieser Aussage: Alle fünf Produkte, deren Cadmiumgehalt ÖKO-TEST als „erhöht“ bewertete, waren Bio-Produkte.
Cadmium ist kein Pflanzenschutzmittel und unterliegt damit nicht den Vorgaben der EU-Bio-Verordnung zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Hier zeigen sich die Grenzen eines Siegels.
Ob Bio im Test dennoch einen Unterschied machte, zeigt der Blick auf die Verteilung der Ergebnisse.
Im Schnitt wurden in den konventionellen Produkten damit rund 14-mal mehr unterschiedliche Pestizide nachgewiesen als in den Bio-Produkten.
Gerade mit Blick auf die zuvor angesprochenen Mehrfachrückstände ist dieser Unterschied interessant. Bio beseitigt die Unsicherheit möglicher Kombinationen nicht. In diesem Test war die Zahl gleichzeitig nachgewiesener Pestizide in den Bio-Produkten aber erheblich geringer, und damit auch die Zahl der Stoffe, deren mögliche Kombination überhaupt betrachtet werden muss.
Was zeigt der ÖKO-TEST also?

Auf den ersten Blick sehen sie alle ähnlich aus: rote, knusprige, gefriergetrocknete Erdbeeren. Der Test zeigt aber, wie unterschiedlich das sein kann, was man ihnen nicht ansieht.
Rückstände und Schwermetalle lassen sich einer Erdbeere nicht ansehen. Dafür braucht es Laboranalysen.
Bei den Pestizidrückständen zeigte sich allerdings ein deutlicher Unterschied zwischen Bio und konventionell. Die auffälligen Mehrfachbelastungen fanden sich nicht bei den Bio Produkten. Besonders heraus stach KoRo mit Spuren von 34 verschiedenen Pestiziden. Die konventionellen Erdbeeren von Rossmann erhielten als schlechtestes Produkt im Test die Note „ungenügend“.
Bei den Bio Produkten lag die Auffälligkeit an anderer Stelle: Hier spielten vor allem die Cadmiumbefunde eine Rolle. Fünf Produkte wurden von ÖKO TEST wegen erhöhter Cadmiumwerte strenger bewertet. Alle fünf waren Bio Produkte.
Auch der Einwand zum Fruchtzucker ist berechtigt. Für die Einordnung spielt allerdings eine wesentliche Rolle, wie viel davon tatsächlich gegessen wird. Eine kleine Portion gefriergetrockneter Erdbeeren entspricht einer deutlich größeren Menge frischer Früchte. Die Portionsgröße gehört deshalb zur Bewertung dazu.
Damit ist der Test für uns aber noch nicht zu Ende erzählt. Denn bei der Beschäftigung mit den Ergebnissen ist uns noch etwas anderes aufgefallen.
Was uns bei unserer Recherche noch aufgefallen ist
Fast beiläufig kritisiert ÖKO-TEST einen weiteren Punkt: Keines der 21 getesteten Produkte enthielt Erdbeeren aus Europa. Im Ratgeber zum Test heißt es: „Wer regionale getrocknete Erdbeeren möchte, muss sie selbst herstellen – alle Erdbeerchips in unserem Test stammen aus der Türkei, Ägypten, Marokko oder China.“
Hier dürfen wir offen widersprechen.

Unsere Erdbeeren stammen aus Deutschland. Sie wachsen beim Bioland Biohof Seemann in Eberdingen und werden von uns in Baden-Württemberg gefriergetrocknet.
Was wir über unsere Erdbeeren tatsächlich belegen können.
Wir haben unsere gefriergetrockneten Bioland-Erdbeeren in einem unabhängigen, spezialisierten Labor untersuchen lassen.
„Nicht nachweisbar“ bedeutet: Sollte eine Menge unterhalb der sehr niedrigen Bestimmungsgrenze des Verfahrens liegen, kann sie nicht mehr nachgewiesen werden. Diese lag bei Blei bei 0,020 mg/kg, bei Cadmium bei 0,0050 mg/kg. In der Praxis bedeutet das: nicht nachweisbar.
Unsere Bioland-Erdbeeren aus Eberdingen.
Vom Biohof Seemann. In Deutschland angebaut und von uns in Baden-Württemberg gefriergetrocknet.
Bioland-Erdbeeren ansehen →Es sind die besten Erdbeeren, die wir kennen.
Perfekte Laborwerte sind für uns erst die Basis. Entscheidend ist ebenso, wie eine Erdbeere schmeckt.
Wie gut schmecken sie eigentlich?
Als Marke könnten wir viel behaupten. Deshalb haben wir Geschmack, Geruch, Konsistenz und Aussehen unabhängig durch die DLG prüfen lassen.
Höchstbewertung.
5,0 Punkte in allen vier sensorischen Prüfmerkmalen: Geschmack, Geruch, Konsistenz und Aussehen.
Selbst probieren.
Unsere Bioland-Erdbeeren aus Eberdingen wurden unabhängig im Labor untersucht und sensorisch mit der Höchstbewertung ausgezeichnet.
Bioland-Erdbeeren ansehen →Für unsere Erdbeeren kennen wir damit heute beide Seiten genauer: das, was man schmecken kann, und einiges von dem, was man nicht schmecken oder sehen kann.
Für uns sind diese Ergebnisse wichtig. Für dich als Kunde steckt dahinter aber eine viel grundsätzlichere Frage.
Nicht alles lässt sich beim Einkauf selbst überprüfen.
ÖKO-TEST hat genauer hingeschaut und dabei große Unterschiede gefunden. Doch auch ein solcher Test ist eine Momentaufnahme. Als Kunde bleibt deshalb irgendwann eine ganz einfache Frage:
Kann ich darauf vertrauen, dass der Hersteller genauer hinschaut, wenn ich es selbst nicht kann?
Genau diese Verantwortung möchten wir übernehmen.
Und am Ende stellen wir uns dabei eine sehr persönliche Frage:
Würden wir unsere Früchte mit gutem Gefühl auch unseren eigenen Kindern geben?
Unsere Antwort: Ja!
Quellen und weiterführende Informationen
- ÖKO-TEST / ZDF, Test von 21 gefriergetrockneten Erdbeerprodukten: 14 Bio-Produkte; Pestizide, Blei und Cadmium; Einordnung der Bleifunde und Überprüfung der deklarierten Zuckergehalte.
- ÖKO-TEST, vollständige Testergebnisse, Grundlage für Einzelnoten, Produktverteilung, Pestizidanzahl, Cadmiumbewertungen und Herkunftsangaben. Die im Artikel verwendeten Detailauswertungen wurden anhand der vollständigen Ergebnistabelle vorgenommen.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), BfR-MEAL-Studie zu Blei in Lebensmitteln: besondere Relevanz für jüngere Altersgruppen; keine unbedenkliche Aufnahmemenge ableitbar; Bleiaufnahme sollte so weit wie möglich minimiert werden.
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), Cadmium: tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (TWI) von 2,5 µg/kg Körpergewicht und Woche.
- EU-Bio-Verordnung (EU) 2018/848, Rechtsgrundlage für die Regeln des ökologischen Landbaus und die Beschränkung bzw. Zulassung von Pflanzenschutzmitteln in der Bio-Produktion.
- USDA FoodData Central, Referenzdatenbank für die im Zucker-Vergleich verwendeten Nährwertangaben zur Banane.
- Schwartau Extra Erdbeere, Herstellerangabe: 53,4 g Zucker pro 100 g; verwendet für das Beispiel Marmeladenbrot.
- Harry Bäckerfrisch Vollkornbrot, Herstellerangabe: 2,5 g Zucker pro 100 g; eine Scheibe entspricht laut Hersteller einer Portion.
- SNICKERS Single, Herstellerangabe: 52 g Zucker pro 100 g bzw. 26 g pro 50-g-Riegel.
- BAV Institut – Prüfbericht 26181869C vom 18.08.2026 – unabhängige Laboruntersuchung unserer gefriergetrockneten Bioland-Erdbeeren.
- DLG-Prüfbericht DailyFred Erdbeeren – unabhängige sensorische Prüfung.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Cadmium in Lebensmitteln, Gesundheitliche Einordnung von Cadmium, TWI und Beiträge verschiedener Lebensmittel zur Gesamtaufnahme.
- BfR-MEAL-Studie zu Cadmium, Einordnung des Beitrags verschiedener Lebensmittelgruppen zur Cadmiumaufnahme.